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Bit du be-eit?

Bit du be-eit?
Ich feiere jedes Wort. Jeden Satz. Ja tatsächlich, ich feiere jeden kleinen Schritt dieses Kindes.
"Bit du be-eit, Mama?"
fragt er mich. Mein Lieblingssatz im Moment aus seinem Mund.
Wenige Tage nach dem Test (nee nicht Corona, Frauen machen viel spannendere Tests), gefangen in meiner Egotrance und Existenzpanik hab ich das erste mal mit seiner Seele Kontakt gehabt.
"Bitte geh" hab ich gebettelt "ich kann es nicht entscheiden aber bitte geh weg. Schau doch auf mein Geburtsdatum, du findest bestimmt eine bessere
Mama ..." so hab ich gejammert.
Da geschah etwas Mystisches. Ich hab eine Stimme gespürt.
Sanft, leise,
klar, weise:
"Ich würd gern bleiben, bin dir aber nicht bös, wenn du nicht bereit bist und dich gegen mich entscheidest !"
Ich war tief beeindruckt. Da hat er mir das erste Mal gezeigt, was be-eit sein heißt.
Bereit für seinen Weg, der so maßlos schmerzhaft werden würde, dass wir alle es uns nicht vorstellen können.
"Bit du be-eit, Mama?"
Bin ich bereit?
Wenn ja, wofür?
Wenn nein, was brauch ich denn noch?
"Bit du be-eit, Mama?"
fragt er mich während er sich selber die Haube aufsetzt und in seine roten Gummistiefel schlüpft.
Ja, ich bin be-eit!
Aus der Opferfalle zu rollen.
Aus der Opferrolle zu fallen.
Um wieder ganz in meine Kraft zu gehen. Ganz in meineR Kraft zu gehen.
"Ja, ich bin be-eit, kleiner Meister" flüstere ich, während hinter uns die Tür zufällt ...